Die Kleshas – Teil IV (abhiniveshah)

Abhinivesha, die Angst vor dem Tod bzw. vor der eigenen Endlichkeit.

Nun sind wir da angekommen, wo Patanjali in Sutra 2.9 sagt, dass diese Angst eine „sich selbst erhaltende Kraft ist, die auch in weisen Menschen wirksam ist.“ (vgl. Skuban, S. 89)

Oha.

Na, das klingt ja vielversprechend.

Wenn also selbst die Weisen, Erleuchteten sich an Abhiniveshah die Zähne ausbeißen, wie soll ich dann damit klarkommen?

Ganz einfach:

Hier gilt es einfach, sich bewusst zu machen, dass (wie Patanjali weiter ausführt), die Klesha immer (immer!) aktiv sind. Selbst, wenn wir glauben, sie los zu sein, ruhen sie nur, um dann beizeiten wieder zuzuschlagen. Kleshas wie Avidya oder Asmita, Raga und Dvesha sind womöglich etwas besser zu durchschauen. Abhiniveshah hingegen ist komplexer, weil diffuser.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich für meinen Teil verbringe die meiste Zeit meines Lebens ohne über meinen Tod nachzudenken. Mein Tod ist mir nicht sonderlich präsent, er spielt in meinem Alltag keine Rolle, folglich habe ich auch keine Angst vor ihm, jedenfalls keine akute, bewusste Angst.

Dann gibt es manchmal Situationen, ausgelöst womöglich durch eine Begebenheit aus dem Umfeld, ein Bericht im Fernsehen, Nachrichten oder vielleicht auch nur ein Film. Und dann ist da plötzlich dieses Grausen, die Angst vor dem eigenen Tod, vielleicht (bei mir ist das oft so) durchzuckt dich auch ein Gedanke wie „ich will nicht sterben“.

Ich glaube tatsächlich, wie Patanjali sagt, dass man diese Gedankenblitze nicht 100%ig loswerden kann. Aber wir können uns überlegen, wie wir darauf reagieren. Ich jedenfalls sage mir in solchen Momenten jedesmal, dass ich keine Angst vorm Tod haben muss, sondern darauf vertrauen kann, dass es danach weitergeht. Dass der Tod keine Bedrohung ist, sondern was Gutes. Vielleicht ein Tor zu was anderem, neuen, wo es einfach zu den Spielregeln dazugehört, dass wir vorher nicht wissen dürfen, was kommt. Will sagen, ich beruhige mich da erstmal wieder.

Abhiniveshah steht über all den anderen vier Klesha und wenn man genauer hinsieht, sieht man auch, wie die vorherigen vier Abhiniveshah so richtig schön anfeuern. Will sagen, wenn wir unsere falsche Vorstellung von der Welt und uns, unsere Ablehnung und unsere Anhaftung bearbeiten, dann kommen wir auch mit unserer Angst vor der Sterblichkeit weiter. Die Angst vor dem eigenen Tod ist nämlich nichts anderes als ein gigantisches Raga und Dvesha, gepaart mit einer falschen Identifikation unseres Ego anstelle unseres wahren Kerns als unser Selbst.

Ich finde es tröstlich zu wissen, dass die Klesha existieren und je mehr ich darüber verstehe, wie sie unsere leidvollen Erfahrungen beeinflussen um so mehr kann ich üben, dem ganzen keinen Nährboden mehr zu bereiten.

Unbestritten ist auch hier die (Yoga-)Meditation wieder der Kernschüssel zum Erkennen und Überwinden dieser Leidensmuster. Hierzu gebe ich bald noch mehr praktische Übungstipps 🙂

 

 

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