Back to life. Back to reality.

Meine Affinität für Musiktitel im Blogtitel bleibt wohl irgendwie.

Was auch bleibt, sind meine Stressmuster im Ausnahmezustand.

Aber der Reihe nach:

Die letzten zwei Wochen standen unter folgenden Vorzeichen:

  • eine zweitägige Dienstreise in die 400km entfernte Zentrale meines Arbeitgeber-Unternehmens
  • der Verwandtschaftsbesuch direkt am meiner-Reise-folgenden Tag
  • anlässlich des Geburtstags meines Sohnes 2 Tage später
  • und 4 Tage darauf dann die Kindergeburtstagsfeier.

Es kam wie es kommen musste:

Während meiner Dienstreise rief der Kindergarten mich an, der Kleine sei ganz schlapp, klage permanent, dass es ihm nicht gut sei und er sei auch recht warm. Juhuuuu. Volltreffer. Natürlich war ausgemacht, dass der Papa den Spross nach dem Kindergarten abholt, aber hat nicht um 10 Uhr morgens. Er war natürlich auch nicht erreichbar, da in irgendeinem superwichtigen Workshop. Also durfte ich von der Zentrale aus seine Zentrale anrufen, um ihn aus dem Workshop rausziehen zu lassen um ihm zu übermitteln, dass er mal auf sein Handy schauen soll.

Das sind ja so Situationen, wo mein Blut in Wallung gerät und ich sofort im Survivalmodus agiere. Ich bin jedenfalls gleich unter Strom, auf 180 und trage keinerlei Gelassenheit mehr in mir.

Der darauffolgende Tag nach meiner Rückkehr von der Dienstreise sollte mein freier Tag sein und angesichts der anstehenden Verwandtenbesuche und des Kindergeburtstags hatte ich natürlich wieder mal alles auf diesen freien Vormittag (der ja eigentlich auch ein Tag für mich sein sollte, haha) geschoben. Das fiel nun natürlich auch flach, denn ich hütete mit einem bis 39,8-fiebernden Kind das Haus.

Dann fiel auch schon die ganze Mischpoke ein, und dann war das Ding auch komplett gelaufen.

Irgendwie habe ich gar nicht mehr das Gefühl, dass ich irgendwie aktiv oder bewusst bei der Sache war, sondern ich habe einfach nur noch funktioniert. Gegen die klugen Ratschläge meiner Mutter das kranke Kind betreffend Abwehr gehalten, die Tatsache, dass mein Kind angesichts der Besuche und der damit verbundenen Action keine Ruhe mehr fand um sich auszukurieren, runtergeschluckt und überhaupt: es war alles so richtig schön doof und ich habe mich zu keiner Zeit mehr als Herrin der Lage oder Herrin des Hauses gefühlt.

Wenn ich das hier so runtertippe, kommt mir übrigens schon wieder die giftgrüne Galle hoch, ehrlich…!

Nun ja, die Verwandtschaft war nach dem verlängerten Wochenende weg, der Geburtstag als solches war gefeiert, blieb also nur noch die Kür des bevorstehenden Kindergeburtstags, für den ich – natürlich – bis dato viel weniger Vorbereitungen hatte treffen können, als ich das eigentlich vorgehabt hatte.

Na-tür-lich war mein Kind auch immer noch krank, so dass wir noch drei weitere Tage zu Hause bleiben mussten und ich null Chance hatte, mich so richtig irgendwas zu widmen.

Wenn es kommt, dann richtig…

Ich hatte dann also genau EINEN Tag, um den Kindergeburtstag noch irgendwie zu planen und zumindest eine Art Notprogramm aufzusetzen. All die romantischen Vorstellungen von themenbezogener Deko hatte ich schon längst über Bord geworfen.

Gestern dann habe ich endlich auch den Kindergeburtstag überstanden. Ich habe den halben Tag vorbereitet, gebacken und gebastelt und bin dann die zweite Hälfte des Tages mit wilden 5-Jährigen eskaliert.

Und heute? Kannste mich wegklappen, ehrlich.

Nun sitze ich hier. Weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Weiß nicht, warum es immer wieder so läuft. Warum ich nicht endlich mal schlauer werde. Warum es immer wieder so läuft. Warum ich es nicht schaffe, mich besser abzugrenzen und zwischendurch „bei mir zu bleiben“.

Ich habe heute viel Zeit mit Ursachenforschung verbracht und festgestellt, dass ich in schöner Regelmäßigkeit meine eigenen Bedürfnisse übergehe und hintenanstelle und dann rächt es sich, jedes Mal. Von den letzten zwölf Tagen, seit der Abfahrt zu meiner Geschäftsreise, habe ich keinerlei Eindruck außer Stress, puren Stress.

Wie konnte das nur (wieder) geschehen?

Hinterher ist man immer schlauer, heißt es ja und so hoffe ich nun, dass es mir in den nächsten Tagen gelingen wird und dass ich die Ruhe finden werde, die Situation(en) genauer anzuschauen und zu analysieren.

Patanjali jedenfalls sagte mir gerade, dass „alle mentalen Zustände nur vom Ich-Bewusstsein verursacht werden“.

Ich glaube, da hat er sehr, sehr recht damit. Und ich überlege dennoch, wie ich es hätte schaffen können, weniger aus dem Citta-Ego-Ich heraus agieren zu können.

Die Situation auf der Geschäftsreise als ich plötzlich vom Kindergarten angerufen wurde, hat mich komplett unvermittelt wie ein Schlag in die Magengrube getroffen. In dem Moment hatte ich (rückblickend erkenne ich das nun, in der Situation nicht) keinerlei wirkliche Kontrolle mehr über mich. Ich habe einfach nur versucht das durchzustehen, das auszuhalten. Ich habe die Situation als ausgesprochen unangenehm empfunden, sowohl die Tatsache, dass ich dem Papa hinterhertelefonieren musste als auch, dass das ausgerechnet während meiner Abwesenheit passierte. Auch wenn mich natürlich niemand beschuldigt oder angegriffen gefühlt hat, so habe ich mich doch in einer Art und Weise schuldig gefühlt. Ich habe mich verantwortlich gefühlt und gleichzeitig hilflos, weil ich ja so weit weg war. Aber wie hätte ich mich sonst fühlen können? Welche Reaktion wäre okay gewesen?

Vielleicht hätte es geholfen, wenn ich mich einfach zurückgezogen hätte, für 5 Minuten oder so und ein paarmal durchgeatmet hätte. Bestimmt hätte das geholfen. Aber in den Momenten fällt es mir wahnsinnig schwer, aus der Situation und dem Survivalmodus auszubrechen. Ich schreibe es mir dick hinter die Ohren, für das nächste Mal…

Dann die Tatsache, dass der kleine krank ist und die ganzen Vorbereitungen nicht so ablaufen konnten, wie geplant. Gut, der freie Tag war hin, das ist klar. Dennoch müsste ich es schaffen, auch in solchen Situationen auch etwas mehr für mich zu tun. Was gar nicht mehr geht, und das habe ich hoffentlich endgültig gelernt, ist, dass ich meinen freien Tag permanent für etwas anderes zur Verfügung stelle. Der freie Tag ist MEIN Tag. MEIN Tag, an dem ich die Freiheit habe, zu tun und zu lassen, was ich will. Das muss ich ab sofort viel strenger umsetzen!

Die Verwandten hätte ich einfach um eine spätere Anreise bitten sollen. Durch die Blume hatte ich das, aber das stoß auf Ablehnung. Da habe ich dann nachgegeben, was ich NICHT hätte tun sollen. Ich hätte die Weitsicht haben müssen und die Konsequenz zu sagen, dass das nicht geht. Herrin im eigenen Haus sein.

In den Geburtstagsvorbereitungen hätte ich viel mehr delegieren müssen und vor allem, die eigenen Ansprüche rechtzeitig genug auf ein realistisches Niveau runterschrauben – oder aber: wenigstens den Kindergeburtstag verschieben. Das wäre nämlich auch absolut legitim gewesen. Aber da war ich wieder in einer vermeidenden Haltung: erstens wollte ich nicht, dass der Kleine enttäuscht ist und zweitens wollte ich nicht, dass dann womöglich einzelne Gäste am Ausweichtermin keine Zeit hätten. Also habe ich es durchgezogen. Auf meine Kosten.

Im Nachhinein bin ich einfach erschüttert, wie es so weit kommen konnte, dass ich zwölf Tage lang wie im Blindflug unterwegs war und nicht gespürt habe, wie es mir geht, wie ich mich komplett ausgeblendet habe und komplett über meine Ressourcen gegangen bin.

„Alle mentalen Zustände werden nur vom Ich-Bewusstsein verursacht.“

Umso wichtiger ist es mir jetzt, dass ich mich wieder regelmäßig auf die Matte begebe, dass ich mich wieder ausrichte, mich spüre, mich wahrnehme und in Kontakt mit mir komme. Und zwar mit dem wahren Ich und nicht diesem Angst- und Stressgetriebenenn Ego, das es allen Recht machen will, das niemanden enttäuschen will, weil irgendwo tief im Innern eine Stimme flüstert, dass ich nicht gut genug sei.

Das also für die neu gegründete und verdammt nötige Rubrik „Erkenntnisse des Lebens“ und nun: Gute Nacht!

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2 Kommentare

  1. Liebe Carmen, dein Beitrag ist sehr ehrlich. Danke dafür. Wir sollten erkennen, dass wir diesen ganzen Stress auch ein wenig selbst inszenieren – aus dem Gksuben heraus, dass es alles so sein muss. Auch ich hatte letztes Jahr so eine Stresswoche: Lernen mit der Tochter für drei Klassenarbeiten, Vorbereitungen für ihren Kindergeburtstag. Den ich selbst gar nicht erlebte, weil zeitgleich die lang erwartete Yogalehrer-Ausbildung stattfand. Aufregende Sache für mich! Nach diesem emotionaen Spagat-Wochenende bekam ich so schlimme Herz-Rhythmus-Störungen, dass ich in die Notaufnahme musste. Nun übe ich mich täglich in „Selbstfürsorge“ und nehme notwendige kleine Auszeiten. Alles Liebe für dich!

    1. Liebe Andrea,

      hab vielen Dank für deinen Kommentar, das hat mich sehr gefreut.

      Ja, schonungslos ehrlich, weil ich fest daran glaube, dass nur das uns, mich und andere, weiterbringt. Einfach ein bisschen mehr Authentizität, so dass andere sich darin vielleicht wiederfinden können. Aber nicht ohne die Botschaft, dass es da auch wieder raus geht 🙂

      Deine Stresswoche hört sich ja auch nicht gerade berauschend an, aber ich denke, es wird – gerade mit Kind/ern – immer wieder solche Konstellationen geben. Die Frage ist wirklich einfach, wie wir damit umgehen. In Herz-Rhythmus-Störungen sollte das aber bitteschön nicht enden 🙁

      Ich bin leider ein Mensch, der sehr schnell die eigene Selbstfürsorge und die „Me-Time“ opfert und hintenanstellt, weil ich das Gefühl habe, erst alles andere erledigt haben zu müssen, bevor ich mir das verdient habe. Das ist natürlich vollkommener Quatsch, aber irgendwie steckt das in mir drin. Also versuche ich noch mehr Präsenz und Achtsam- und Aufmerksamkeit in meinen Alltag zu integrieren.

      Auch für dich alles Liebe,

      Carmen 🙂

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