Wünsch Dir was.

Ja, der alte Goethe – immer für eine Überraschung gut. Ich bin neulich über das schöne Zitat gestolpert und war irgendwie ganz baff – das hätte ich dem alten Johann gar nicht zugetraut.

 

In meinem letzten Blogpost habe ich ja schon Patanjalis Aussage „Alle mentalen Zustände werden vom Ich-Bewusstsein verursacht“ eingeführt. In der Psychotherapie gibt es den Satz „Unser Denken bestimmt unser Fühlen“, der eigentlich so ziemlich das gleiche meint.

Kraft unserer Gedanken haben wir also durchaus die Möglichkeit unser Empfinden und damit letztlich auch unsere Realität zu bestimmen, ja, sie auch zu verändern.

Nun möchte ich nicht, den nümpfzigsten Arteil über Bestellungen beim Universum, Manifestieren oder Wünsche richtig formulieren schreiben, sondern ich möchte euch und uns einfach mit auf den Weg geben, dass wir unsere Wünsche, unsere Sehnsüchte niemals herunterspielen sollten. Niemals sollten wir unsere Wünsche, unsere tiefen Sehnsüchte, unsere Träume kleinreden. Wenn es wirkliche Herzensangelegenheiten sind, Wünsche, für die wir brennen und Träume, für die wir uns hingeben, dann lass niemals deinen inneren Kritiker oder deine innere Stimme Dir einreden, dass das alles eh keinen Sinn hat. Darum mag ich dieses Zitat von Goethe auch so gern.

Unser Wunsch ist der Vorbote. Allein in der Tatsache, dass wir uns etwas wünschen können, liegt zugleich die Tatsache, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann. Ob er es dann auch tut, liegt daran, was wir für unseren Wunsch oder unseren Traum zu tun bereit sind.

Wenn du bis innerhalb von 6 Monaten Spanisch lernen willst, dann kannst Du es dir noch so oft wünschen, Du wirst dafür etwas tun müssen. Und je mehr du dich dafür reinhängst, um so mehr Unterstützung wirst Du (vom Universum?!) dafür bekommen. Aber wenn Du einfach nur wünschst und wartest, dass Dich ein Blitz trifft und plötzlich dein Sprachzentrum über das komplette Spanisch-Sprach-Set verfügt, dann dürfte es wohl etwas schwierig werden.

Und bei allem, was Du tust und was Du Dir wünscht: Bleib bescheiden. Nimm Dir nicht zu viel vor. Setze deine Ziele so realistisch an, dass es Dir leicht fällt dein Ziel zu verfolgen. So, dass es leicht fällt, dich noch zu steigern. Lass Dir Luft nach oben.

Erfolge zu feiern ist nämlich viel schöner, als den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden 🙂

Ein persönliches Beispiel von mir:

In meinem gesamten Leben habe ich mich schon 3 x in einem Fitnessstudio angemeldet.

Das erste Mal war so mit Anfang Zwanzig, als es mir ratsam erschien, dass ich neben meiner kaufmännischen Ausbildung, bei der ich logischerweise viel Sitzen musste, einen Ausgleich schaffe. Das zweite Mal war so ca. 1 Jahr nach der Geburt meines Sohnes, als er in der Krippe eingewöhnt war, ich aber noch nicht wieder gearbeitet habe, da dachte ich, ich mache jetzt mal so richtig was für mich, After-Baby-Body und so…

Beide Male bin ich mit krachenden Erwartungen und Plänen an die Sache rangegangen. Was habe ich mir nicht alles tolles vorgenommen.

3 x die Woche Training, ach, was sag ich, min-des-tens drei Mal die Woche, am besten noch mehr. Und nicht nur ne Stunde, nein zwei Stunden müssen es schon sein, mindestens!

Dafür war ich, im übrigen, beide Male bereit gewesen, eine hübsche Summe Geld hinzulegen – ein weiterer Ausdruck, dass ich es absolut ernst meinte und gewillt war, ab diesem Moment mein Leben zu verändern und voll und ganz im Fitnessstudio aufzugehen.

Stattdessen ging ich mit meinen Plänen unter und die Besuche im Fitnessstudio wurden erst immer weniger und blieben dann gänzlich aus.

Was war passiert? Ich bin an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Rums.

Die Erwartungen, die ich aufgebaut hatte, waren nicht haltbar. 3 x die Woche für zwei Stunden ins Studio, mit einem so kleinen Kind, mit den schlaflosen Nächten und dann oftmals einfach auch allein, ohne Partner an der Seite, weil das zu der Zeit einfach so war, bei uns. Und da obendrauf hatte ich mir noch den Druck gepackt, drei mal die Woche da im Studio stehen zu müssen. Ja zu müssen. Da war kein Ausdruck von „ich mag da jetzt hingehen und das machen“, sondern „ich muss da eigentlich noch hin“.

Heute weiß ich: Ich bin der mangelnden Leichtigkeit, der mangelnden Freude und Freiheit zum Opfer gefallen.

Früher hätte ich gesagt: Ich hab es nicht geschafft, den inneren Schweinehund zu überwinden. Heute sehe ich das anders. Ich glaube mehr und mehr, dass es diese inneren Schweinehunde nicht gibt. Ich glaube nur, dass es Spannungen gibt und dass wir tunlichst so leben sollten, dass sich diese Spannungen reduzieren, gar nicht erst aufbauen und uns behindern können.

Ich glaube fest daran, dass das, was wir tun, ein Ausdruck unserer innersten, tiefsten und wahrhaftigsten Überzeugung sein sollte und dass wir dann zugleich mit Leichtigkeit und Freude agieren können. Und dann fällt es uns auch leicht, bei der Sache zu bleiben.

Wer setzt den Maßstab an? Woher hatte ich diese Schnapsidee, JEDE Woche DREI mal im Studio auf der Matte stehen zu müssen, STUNDEN lang? Irgendwoher kam die Idee, dass es so sein müsse, dass es sich nur so lohnen würde. Mit dieser Zahl habe ich die monatlichen Gebühren gerechtfertigt, die ich mir vom schmalen Elterngeld abknapsen musste. Darum musste es sich ordentlich rechnen. Daraus entstand ein Anspruch, an dem ich letztlich nur scheitern konnte.

Der innere Schweinehund, war allerhöchstens ich. Ganz allein ich selber. Und zwar schon in dem Moment, als ich mir dieses Spannungsfeld aus unrealistischen Ansprüchen und überzogenen Plänen aufgebaut habe.

Und als ich dann das erste Mal, den Trainigstag hab sausen lassen, weil ich so müde war, weil der Haushalt so katastrophal aussah, weil ich einfach nur meine Ruhe von meinem schreienden quengelnden Kind wollte, da war dieses ekelige Gefühl gescheitert zu sein da. Zunächst noch ganz unterschwellig und leise. Und dann kam der zweite Tag, an dem ich etwas anderes zu tun hatte. Und dann der dritte. Und dann war mein ganzer starrer Trainingsplan sowieso schon dahin und dann habe ich meinen Plänen ohnehin nicht mehr vertraut und mir keinen Glauben mehr geschenkt, dass ich bei der Sache bleiben würde. Immerhin hatte sich ja wieder herausgestellt, dass ich es nicht schaffe, meine Pläne durchzuziehen.

Das Problem hinter Plänen, die wir nicht einhalten können, sind aber nie wir. Sondern die Pläne an sich. Ein guter Plan zeichnet sich immer dadurch aus, dass er realistisch ist. Vielleicht sogar auch ein wenig tiefgestapelt. Umso schöner ist dann das Gefühl, wenn man seine Ziele erfüllt, vielleicht sogar auch übertroffen hat.

Das klingt vielleicht ein wenig so, als ob man sich selbst bescheißen würde. Aber so ist es nicht. Es geht um Leichtigkeit, um Freude. Es geht doch darum ,sich selbst das Leben schön zu machen und nicht darum, sich ordentlich in die Mangel zu nehmen. Ich empfinde es nicht als sich selbst bescheißen, sondern als Bescheidenheit. Als Sanftheit und Behutsamkeit sich selbst gegenüber. Als Ausdruck einer wohlwollenden Einstellung.

Ich bin nun zum dritten Mal in einem Fitnessstudio angemeldet. Ich habe den Vertrag geschenkt bekommen, einfach so. Ich wurde sozusagen eingeladen. Mein Partner hat von einer Aktion erfahren, dass er als ordentliches Mitglied in dem betreffenden Studio zu einer reduzierten Gebühr eine Partnerkarte beantragen kann. Die Laufzeit für diesen Zweitvertrag ist sehr kurz, das Risiko ist also absolut überschaubar. Das Studio ist ca. 800m von unserem Zuhause entfernt und daher jederzeit gut und ohne Stress und großen Zeitaufwand erreichbar.

Und ich? Ich habe zuerstmal abgewunken, als ich das Angebot von meinem Freund bekam. „Ich bin kein Typ fürs Fitnessstudio“, „mir macht das keinen Spaß“, „mir ist das zu langweilig“ – ich habe alle Gründe aufgezählt. Und dann habe ich die Partnerkarte doch angenommen. Und nun? Freue ich mich darauf, wenn ich Zeit habe, ins Fitti zu gehen.

Allerdings: Ich verbinde null Erwartungen damit. Weder habe ich die großspurige Vorstellung, dass ich es drei Mal die Woche dorthin schaffe, noch habe ich die Vorgabe, dass ich bei jedem Besuch dort mindestens eine Stunde sein muss. Dafür habe ich genug aus der Vergangenheit gelernt. Wenn ich Lust habe, springe ich nach der Arbeit dort rein und bin eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer. Wenn ich keine Lust habe, dann lasse ich es. Ich tue alles dafür, damit der Besuch im Fitnesstudio eine Bereicherung für mein Leben und meinen Alltag ist – und keine zusätzliche Belastung darstellt. Dadurch dass ich den Druck rausnehme, wird es leichter. Für den Druck bin nur ich zuständig, niemand sonst. Den inneren Schweinehund – es gibt ihn nicht, wenn ich ihn nicht erschaffe.

Kein Sollpensum à la „2 x die Woche Minimum!“ erfüllen zu müssen, verhindert auch das Gefühl des Scheiterns. Und wenn das Gefühl des Scheiterns nicht aufkommt, verhindert das wiederum, dass die Pläne, weil man ja ohnehin schon gescheitert ist, einfach an den Nagel gehängt werden.

Mein Wunsch war es übrigens schon lange, wieder mehr Sport zu machen. Mein Wunsch war es auch schon lange, wieder einen körperlichen Ausgleich zu meinem Job zu finden, einen Ausgleich, der mich fordert und mich auslastet und der dabei aber so flexibel ist, dass er sich meinem Alltag, meinem Beruf und meiner Hauptrolle als Mutter anpasst.

Goethe hat recht: Der Wunsch war nur der Vorbote, die Fähigkeit liegt in mir. Als das Angebot kam, lag es an mir zuzugreifen – und es diesmal besser zu machen.

Ja, ich kann regelmäßig Sport treiben und Freude und Spaß dabei empfinden. Wenn ich es zu „meinen“ Bedingungen mache und nicht zu irgendwelchen Mustervorstellungen und Plänen, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind.

Und nach diesem langen Beitrag noch einmal das Wichtigste in der Nußschale:

  1. Wenn du einen Wunsch nach Veränderung hast, dann denk immer an den alten Goethe und sei dir sicher, dass Deinem Herzenswunsch die Fähigkeit zugrundeliegt
  2. Mit der Gewissheit, dass Du die Fähigkeit hast, deinen Wunsch wahr werden zu lassen, häng Dich rein und widme dich mit deinem ernsthaft der Erfüllung deines Wunsches
  3. Bleib dabei bescheiden und in wohlwollender, sanfter Beziehung zu Dir selbst. Reinhängen bedeutet nicht mit der Brechstange zu agieren, sondern dein Ziele so anzusetzen, dass Du sie realistisch erfüllen kannst. Sich realistische (!) Pläne und Ziele zu stecken, die man wirklich durchhalten kann, ist viel schwieriger und erfordert sehr viel mehr Mut und Commitment als ein Hals- über-Kopf-Unterfangen, dass man nicht wirklich ernsthaft angegangen ist.
  4. Feiere deine Erfolge. Genieße das gute Gefühl, deine Ziele erreicht zu haben und: flow on.

Was auch immer dein Wunsch sein mag, ich hoffe, Du konntest etwas aus meiner Erfahrung mitnehmen.

Mit Licht & Liebe,

 

 

Carmen

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