Ja, mach nur einen Plan…

…sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Geh’n tun sie beide nicht.

 

Von Goethe zu Brecht und der Unzulänglichkeit menschlichen Planens geht es weiter hier.

Gestern war dann wieder so ein Tag: Das Kind stand um 5:30 morgens am Bett und sagte: „Mama, ich hab irgendwie so einen Druck auf dem Ohr, wie im Flugzeug, aber viel schlimmer.“ Also: Ohrenschmerzen.

Ich selber hatte noch nie Ohrenschmerzen und auch mein Kurzer hatte bislang noch nie etwas mit den Ohren zu tun, aber der Schmerz war eindeutig. Ich hatte bislang nur immer gehört, dass das unheimlich schmerzhaft sei und das sollte ich im Verlauf des Tages dann auch noch mitansehen dürfen 🙁

Jedenfalls war es mal wieder so:

Geplant war, dass ich mittags noch eine Stunde für mich Zeit haben sollte, bevor ich ihn aus dem Kindergarten abholen würde. Geplant war, dass ich (alleine!) einkaufen könnte, um die Vorräte wieder aufzufüllen. Geplant war auch, dass ich meinen freien Freitag heute nach all den Strapazen der letzten Wochen für mich haben sollte. Aber das war dann gestern im Lauf des Tages absehbar, dass ich das (mal wieder) würde vergessen können.

Der Kleine wimmerte und wand sich vor Schmerzen, der Schmerzsaft wirkte nur knappe 3 Stunden und es gesellte sich Fieber hinzu. Der Kinderarzt diagnostizierte dann am Nachmittag, als wir endlich hinkonnten, auch eine saftige Mittelohrentzündung.

Anschließend an mein letztes Posting sei gesagt, dass ich mich wirklich gefreut hatte, etwas Zeit im Fitnessstudio verbringen zu können. Ich hatte mich auch auf den freien Tag gefreut, um etwas durchschnaufen und etwas Ruhe finden zu können. Aber nun hatte mir das Leben wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Gestern und heute fiel es mir aber verhältnismäßig leicht zu akzeptieren, dass ich meine Pläne einfach loslassen muss. Dass ich mich jetzt zwar daran aufhalten könnte, dass es mir wieder meine Pläne verhagelt hat und ich weiter im „Funktionieren“-Modus verharren muss, (was ich in zig ähnlichen Situationen zuvor auch gemacht hätte), aber dass das sowieso nichts bringen würde – außer noch mehr Spannung und Ärger. Es lag jetzt einfach an mir, wofür ich mich entscheiden würde. Krieg oder Frieden. Es würde für alle Beteiligten einfacher und schöner sein, wenn ich einfach akzeptiere und loslasse. Wenn ich mir klarmache, dass ich eben nie die Kontrolle habe, auch nicht haben kann, auch nicht haben werde.

Heute habe ich das Buch von Gabrielle Bernstein „Du bist dein Guru“ zur Hand genommen, weil ich mich erinnerte, dass Sie genau dazu mal was geschrieben hatte. Und ein Satz daraus hat mich direkt angesprungen:

„Wenn dich dieses Gefühl beschleicht, ist das ein sicheres Zeichen, dass du der Energie des Universums nicht vertraust.“

Bumm. Das hat gesessen.
Und je länger ich darüber nachdenke, je länger ich in dem Kapitel des Buches herumlese, um so mehr stimmt es.

Alle diese Dinge, wo ich nicht einfach nur Pläne mache, sondern solche derartigen Planungen anstelle, dass es mir alles verhagelt, wenn der Plan nicht aufgeht, sind Situationen in denen ich nicht darauf vertraue(n kann), dass das schon alles seine Richtigkeit hat.

Hier kommt dann auch das yogische bzw. Samkhya-Prinzip des Dharma ins Spiel. Einer meiner sehr alten und sehr klugen Yogalehrer hat mal gemeint, dass man vom Leben immer wieder Hinweise bekommen würde, wenn man nicht in seinem Dharma sei. Und wenn man diese zarten Hinweise nicht gleich verstehen würde, dann würden sich immer neue Situationen formieren, die in der Grundaussage immer die gleiche Lehre für uns haben. So lange, bis wir es dann endlich verstanden hätten. Aber wir könnten uns sicher sein, dass aus den kleinen Hinweisen bald ordentliche Zaunpfähle werden würden, mit denen uns zugewunken wird. Also, zu hoffen, dass wir ohne die Botschaft zu verinnerlichen, aus der Nummer rauskommen, ist zwecklos.

Und ich glaube, so ist es auch mit den Plänen, den Universum und der Kontrolle. In unserem Dharma zu sein erfordert eben auch, dass wir die Kontrolle abgeben können. Dass wir zwar Pläne machen, aber es nicht zulassen, dass sie uns die Sicht vernebeln. Dass wir nicht zulassen, dass durch sie Spannung entsteht und wir nicht unsere wahre, uns in diesem für diesen Moment gegebene Aufgabe vergessen.

Mein Dharma oder meine Aufgabe daraus ist, gestern und heute, für meinen Sohn da zu sein. Ihm beizustehen, wenn er Schmerzen hat, ihm eine Geschichte vorzulesen und ihm zu vermitteln, dass er immer beschützt ist. Meine Aufgabe heute ist, mit ihm hier zu sein und gemeinsam mit ihm einen Weg zu finden, wie wir solche Situationen meistern können, ohne dass es auf meine Stimmung oder meinen Ausgleich schlägt. Meine Aufgabe ist auch zu lernen, dass ich meine Bedürfnisse auch in unserem Alltag integriere und etwas Zeit für mich zum Durchschnaufen finde, ohne dass dies immer nur in den „kinder- und arbeitsfreien“ Zeiten stattfinden kann.

Statt mich dagegen zu wehren und damit zu hadern, dass mein Plan nicht aufging, schiebe ich den Plan wie Wolken beiseite und versuche, wieder klar zu sehen. Versuche mich auf das zu konzentrieren, was gerade vor mir liegt und darauf zu vertrauen, dass alles genauso seinen Sinn hat, wie es ist. Und vor allem: Ich lasse die Lernerfahrung, die darin liegt, zu.

Gabby schreibt dazu übrigens weiter:

„Ich stehe dieser Situation machtlos gegenüber und ich gebe sie in die Obhut des Universums.“

Genau das habe ich gestern -unbewusst- getan. Und ich muss sagen, es fühlte sich richtig gut an. Natürlich war es doof, auf der Arbeit schon wieder die Krankmeldung reingeben zu müssen, natürlich war es nicht schön, mein krankes Kind zu sehen, natürlich bin ich müde und geschlaucht.

Aber: Ich bin wild entschlossen, aus all dem keine negative Energie entstehen zu lassen, sondern ich versuche das Positive daraus zu ziehen und zuzulassen.

In diesem Sinne, macht eure Pläne, aber seid auch bereit sie loszulassen. Lass nicht zu, dass dein Wunsch nach Kontrolle, letztlich dich kontrolliert.

Mit Licht & Liebe,

 

Carmen

 

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