Über Glaube, Licht und Liebe

Ich wohne in Baden-Württemberg einer größeren Kleinstadt (Mittelstadt), zu klein um eine richtige Großstadt zu sein, aber zu groß, um ein richtiges Nest zu sein. Hier gibt es eine Uni, also sind wir eine Universitätsstadt. Ach, wem mache ich hier was, vor? Tübingen, ich wohne in Tübingen. Der typische Tübinger ist ökologisch korrekt, aufgeschlossen, modern, aber dennoch konservativ, weltoffen, aber dennoch froh an seiner Käseglocke unter der er lebt, fühlt sich hip (nur darauf kommt es an! wen interessiert es, dass man fünf Jahre hinterherhinkt?) und lebt bewusst.

Da wundert es niemanden, dass Tübingen eine blühende Yogaszene hat. Studenten, Hausfrauen, Rentnerinnen – hier gibt es für jeden das passende Yogaangebot. Natürlich ist alles hier nicht so hip, wie in Berlin, Hamburg, München oder Köln. Die Trends werden woanders gemacht, das ist klar. Viele Trends kommen hier auch einfach gar nicht an oder erst viiiiiiiieeeeeeeel später, so habe ich zum Beispiel erst kürzlich einen Flyer mit einem neuartigen Anusara-Yoga-Angebot in der Hand gehalten *kicherkicher* – und das im Jahr 2016. (Anusara… das war doch das mit dem Skandal um den Gründer John Friend… der Skandal war wann? 2011? 2012?) Also, das ist Tübingen.

Trotzdem – und da nimmt sich Tübingen und Umgebung nix mit dem Rest der Welt – Yoga sprießt und schießt hier an allen Ecken und Enden aus dem Boden. Es gibt Studios und Angebote, noch und nöcher. Ob im ausgebauten Dachboden oder im Mehrzweckraum des Kindergartens, überall werden Yogakurse ausgerufen. Jeder fühlt sich berufen, Yoga zu unterrichten und so gibt es auch hier, in einer größeren Kleinstadt wie Tübingen, bald mehr Yogalehrer als Schüler, möchte man meinen.

Ich bin selber Yogalehrerin. Ich bin durch insgesamt 6,5 Jahre Ausbildung gegangen und habe insgesamt, ja, auch das möchte ich nicht verschweigen, an die 12.000 € in meine Ausbildung investiert. Ich möchte behaupten, dass ich eine verdammt noch mal sehr gute Ausbildung habe, aber wen interessiert das schon? (okay, ich werde gerade ein wenig zynisch…) Immerhin zählt ein einjähriges „Jodeldiplom“ genau so viel oder wenig, unsere Berufsbezeichnug ist nicht geschützt – ach, was rege ich mich auf. Gehört hier nicht her, ein ander‘ mal vielleicht.

Also, ich bin selber Yogalehrerin. Ich bin durch insgesamt 6,5 Jahre Ausbildung gegangen und ich möchte behaupten, dass meine Ausbildung qualitativ sehr hochwertig war. In meiner Ausbildung habe ich verdammt viel gelernt. Ja, auch Asanas und Anatomie, aber vor allem Yoga. Yoga wie Patanjali ihn gelehrt hat, Yoga wie er durch den Tantrismus beeinflusst wurde, Yoga wie er in der Hatha Yoga Pradipika oder Gheranda Samhita beschrieben ist. Ich habe jahrelang vor allem gelernt, dass Yoga eine Philosophie ist, eine spirituelle Lehre, ein Weg (We-heeeeeg!!!) zur Erkenntnis. Und zwar zur Selbst-Erkenntnis und zur Erkenntnis allen Seins.

Fällt Dir was auf? (Ach so, falls Du es noch nicht wusstest, ich möchte dich fortan gerne duzen, lieber Leser oder liebe Leserin, ich hoffe, das ist auch in deinem Interesse…) Philosophie, Lehre, Weg, Erkenntnis? Klingt erstmal nicht nach Füße hinterm Ohr oder Plank Challenge, nä? Und erst recht nicht nach Yogaleggings und Mattentests, oder? Richtig. Denn das, was wir heute, insbesondere in der westlichen Gesellschaft unter Yoga verstehen, davon steht in den Quellentexten des Yoga gar nix drin. Insofern muss ich immer ein wenig schmunzeln, wenn ich auf Yogaseiten oder in Kursbeschreibungen immer so was à la „Yoga wird seit Jahrtausenden praktiziert“ oder „ist ein über 2000 Jahre altes System“ lese – bei Patanjali jedenfalls findet sich keine einzige Yogapose.

Nun ja. Ich bin also ausgebildete Yogalehrerin und habe während meiner Ausbildung mehr als nur die Asanas der Sivanada-Reihe oder ein paar Vinyasa-Flow-Abfolgen gelernt. Weil mir der ganze Yoga hinter dem Yoga aber mittlerweile ziemlich zu kurz kommt, ich auf facebook, insta und youtube immer nur noch mehr und mehr Yogis sehe, die in schicken Leggings und Tops herumturnen, habe ich für mich jetzt auch mal ’ne Challenge ausgerufen. Und ich bin jetzt auch auf einer Mission: Nämlich Yoga zu lehren, abseits von der körperlichen Ebene. Das philosophische System des Yoga bekannt zumachen und verständlich zu erklären. Und dabei aber nicht bei den Yama und Niyama stehen zu bleiben, als sei damit schon alles gesagt. Es geht um ein bisschen mehr als nur Ahimsa, Leute! Ahimsa ist auch wichtig, versteht mich nicht falsch. Aber rein Patanjali-mäßig betrachtet, kommt alles, was nach dem zweiten Kapitel des Yogasutra kommt, ein bisschen kurz in der Szene… dabei ist es gar nicht so schwer zu begreifen 😉

Ich möchte euch also mitnehmen auf einen wilden Ritt durch die Yoga-Philosophie. Instagram-Beauties, bei denen man sich spitzenmäßige Yogamoves anschauen kann, gibt es schon genug. Youtube-Videos zum mitturnen oder gar ganze Online-Yoga-Studios gibt es auch schon.Und auch die meisten Bücher streifen die Philosophie des Yoga nur am Rande, der dicke Hauptteil bleibt den Asana vorbehalten.

Also, abonnier mich, pack mich in deinen Feed und lass Dich einfach mitnehmen auf dem Weg der Erkenntnis. Ich freu‘ mich auf die Reise mit Dir 🙂

Mit Licht & Liebe,
Carmen

 

P.S.: Und falls Du Dich fragst, warum das alles hier keinen hippen Sanskrit-Namen hat, sondern „Glaube, Licht und Liebe“ heisst und was ein Teller Linsensuppe damit zu tun hatte, dann schau dir doch mal meinen allerersten Blogeintrag an.